Herrenberg

Chronik gewalttätiger und rassistischer Vorfälle an der Gemeinschaftsschule am Großen Herrenberge im Jahr 2016

Schuljahr 2015/2016, 2. Halbjahr

27.1.: Täter 1 (T1): diskriminierendes Mobbing und Übergriffe; Polizei gerufen; Betroffener freut sich auf Schulwechsel

14.3.: T2 trägt bei Schulumbenennung T-Shirt von «Volksgemeinschaft e.V.»

17.3.: T1, T2 und andere verkleben «Kollektiv56»-Aufkleber «Erfurt bleibt deutsch» auf Jungenklo und Schulsozialarbeiterbüro

13.4.: Eltern beklagen Erpressung ihres Kindes durch T1

13.4.: Nach Provokation von T2 durch ein_e Schüler_in schlägt T3 diese_r mit der Faust gegen den Kiefer; Behandlung des_der Betroffenen im Sekretariat

13.-18.4.: «Kollektiv56»-Aufkleber auf Auto von Schulsozialarbeiterin

18.4.: T2 provoziert Schulsozialarbeiter mit positivem Bezug zur NPD

18.4.: «Erfurt bleibt deutsch»-Aufkleber an Tür der Schulsozialarbeiter

20.4.: Gespräch mit Schulleitung über Vorkommnisse

Ende April: T1 und T2 werben auf Schulhof mit Flyer der NPD-Jugendorganisation «JN»; Schüler_innen melden Schulsozialarbeiter, dass die beiden gerade ein_e andere_n Jugendliche_n vom Schulhof gejagt hätten; Gesprächsversuch mit Betroffene_r wird von T1 und T2 mit Provokationen und mit Androhung von Faustschlägen gestört

Anfang Mai: T1 und T2 entwenden bzw. manipulieren Handys von Mitschüler_innen

4.5.: T1 und T2 versprühen Reizgas im Büro der Schulsozialarbeit; Folge: Kopfschmerzen, Husten, gereizte Augen; Polizei wird gerufen

19.5.: In Anwesenheit von T1 wird ein_e Schüler_in von T4 verprügelt; Elternteil kommt in die Schule, ruft Polizei und erstattet Anzeige

23.5.: Gesprächstermin mit T1 und T2; T1 kommt nicht; T2 spricht Schulsozialarbeiter auf Aufkleber an; ihm werden Grenzen benannt, aber auch Unterstützung zur Wahrung seiner Grenzen angeboten

23.5.: «Volksgemeinschaft e.V.» ruft bei Schulleitung an und diffamiert Schulsozialarbeiter

25.5.: Gespräch zwischen Schulsozialarbeiter und Schulleitung über T1 und T2 bzw. Rassismus an der Schule

26.5.: Fallberatung zu T1 und T2 im RegioTeam Schulsozialarbeit; Ergebnis: mit beiden Schülern soll weiter gearbeitet werden, wenn sie Grenzen anderer respektieren

30.5.: Gespräch mit T1; er fragt nach Wissen zum «Volksgemeinschaft e.V.» und erwähnt, dass T2 Kontakt zum «Kollektiv56» hätte, von wo auch die Aufkleber kämen

22.6.: T1 greift ein_ Schüler_in körperlich an; in der Folge interne Gespräche mit Lehrer_innen über die gewalttätigen Vorkommnisse

Sommerferien: T2 ist mit Enrico Biczysko im Stadtteil unterwegs; ein_e betroffene_r Schüler_in zieht aus dem Umfeld der Schule weg, damit Kind nicht in Freizeit weiter der Gewalt durch T1 und T2 ausgesetzt ist

Schuljahr 2016/2017, 1. Halbjahr

Schulbeginn: «Volksgemeinschaft e.V.» schickt ein Schreiben zur Diffamierung des Schulsozialarbeiters an die Schulleitung

18.8.: ein_e Schüler_in berichtet von anhaltender rassistischer Diskriminierung durch T2; will selber nichts mehr unternehmen, da Kraft fehlt

24.8.: T4 greift Schüler_in aus rassistischen Motiven in der Schule und erneut auf dem Nachhauseweg an und bedroht ihn_sie; Polizei wird gerufen

25.8.: Elternteil der_dem betroffenen Schüler_in vom Vortag wartet mehrere Stunden vergeblich vorm Büro der Schulleitung auf ein Gespräch

25. oder 26.8.: Polizei kommt wegen des Vorfalls in die Schule und fordert u.a. Schulsozialarbeiter zum Eingreifen auf

Ende August: Polizei informiert in mehreren Klassen zu Gewalt und Strafanzeigen

4.9.: Schüler_in sitzt weinend vor Sekretariat, nachdem er_sie von T1 und T2 rassistisch beleidigt, bedroht, bedrängt und geschubst wurde; danach wurde eine Tür zugeschlagen, in deren Türrahmen er_sie ihre Hand hatte

9.9.: T1 und T2 greifen unter Aussprache von Beleidigungen wie «Scheiß Ausländer» und «Fick deine Mutter» drei Schüler_innen aus rassistischer Motivation an; T1 schlägt einem Kind auf die Brust; T2 sprüht demselben Kind Reizgas ins Gesicht; Betroffene flüchten ins Schulgebäude; Polizei und Krankenwagen kommen; ein_e Betroffene_r bleibt wegen Reizgasangriff mehrere Stunden ohne Sehfähigkeit im Krankenhaus; bleibende Schäden am Auge können nicht ausgeschlossen werden

13.9.: Schüler_innen berichten, dass T1 und T2 andere dazu aufgefordert haben, mit u.a. Schlagringen bewaffnet in die Schule zu kommen

15.9.: T1 schlägt vor den Augen des Schulsozialarbeiters eine_r Schüler_in mit der Faust gegen die Brust; auf Aufforderung, den Raum zu verlassen, droht er Schulsozialarbeiter mit Schlägen und provoziert weiter; Schulleitung wird informiert und fordert daraufhin T1 zum Heimgehen auf, da Schulschluss wäre; T2 kommt in den Raum, fragt wiederholt nach T1 und verlässt erst nach langer Diskussion den Raum

16.9., 7.45 Uhr: Eine Installation, die mit Schüler_innen und eine_r Praktikant_in in mehrtägiger Arbeit in dem Raum errichtet wurde, dessen T2 am Vortag verwiesen wurde, ist völlig zerstört
10.00 Uhr: T1 betritt den Raum, versucht, weitere Elemente der Installation zu zerstören, zieht den Stecker des Beamers; dann bedroht T1 den_die Praktikant_in, der_die mit dem Rücken zur Wand steht, mit Schlägen; T2 steht dabei
10.30 Uhr: T1 und T2 versuchen entgegen eines Verbots der Schulleitung, den Raum zu betreten, erneut zur Installation zu gelangen; nach langer Diskussion und Hinzukommen des Schulleiters

23.9.: Schüler_in berichtet, dass T1 ein_e andere_n Schüler_in aus rassistischen Gründen mit einem Messer bedroht hat

28.9.: Schüler_in berichtet von rassistischer Diskriminierung in einer achten Klasse

28.9.: Schüler_innen der Gruppe Deutsch-als-Zweitsprache berichten von rassistischer Diskriminierung, besonders durch T1 und T2

Mitte Oktober: Schüler_in wird bedroht, nachdem diese_r gemeldet hatte, dass T1 unbefugt bei T2 ist und in einem Physikraum Gerätschaften manipuliert

26.10.: Schüler_in berichtet, dass T1 und T2 gezielt mit ihm_ihr in die Straßenbahn gestiegen sind, dort Bedrohungen ausgesprochen und weitere Gewalt angekündigt haben; sie steigen mit der_dem Schüler_in zusammen aus und flüchten erst, als Freunde von ihr_ihm dazukommen.

27.10.: Berichte von rassistischem Mobbing in Klasse. Freundeskreis von T1 grenzt gezielt nicht-weiße Kinder aus.

28.10.: T1 und T2 bedrohen Schüler_in, der_die vorher bereits von Gewalt betroffen war; per Facebook wurde ihm_ihr bereits eine Wiederholung der damaligen Gewalt angekündigt; der_die Schüler_in bricht zusammen und wird dabei von Freundeskreis von T1 und T2 verhöhnt. T1 verbreitet weiterhin die Unwahrheit, dass der_die Betroffene der Schule verwiesen wurde

3.11.: Helferkonferenz mit betroffene_r Schüler_in, Erziehungsberechtigten, Schulleitung, Jugendamt, Schulsozialarbeiter, Ezra (Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt); da Schulleitung keine zuverlässigen Schutzmaßnahmen zusagen kann, entscheidet sich Schüler_in zusammen mit Erziehungsberechtigten dazu, die Schule zu wechseln.

4.11.: T1 und T2 bedrohen Schüler_in auf dem Schulhof; erst als Schulsozialarbeiter und weitere Pädagog_innen hinzukommen und Schüler_in schützen, entspannt sich die Situation langsam

8.11.: T2 initiiert Lästern und Mobbing gegen ein_e Mitschüler_in wegen vermeintlich ärmlicher Lebensverhältnisse; Schüler_in kehrt an diesem Tag nicht mehr in Unterricht zurück

9.11.: Ein_e Roma-Schüler_in wird mit seiner_ihrer Familie abgeschoben; Schulsozialarbeiter hatte länger mit ihm_ihr gearbeitet

18.11.: Schüler_in berichtet von rassistischer Stimmungsmache durch T1 in Klasse: «Ihr Ausländer müsst weg (…) Mach die Tür zu oder ich schlage dich» uvm.; Mitschüler_innen machen mit; er_sie hat zunehmend Probleme, angesichts der Ausgrenzung in die Schule zu kommen

Mitte November: Mehrere Schüler_innen berichten von rassistischen Äußerungen; Aussprache mit einem Mitschüler, der sie mit «Scheiß Ausländer» beleidigt hatte, gelingt; mehrere betroffene Schüler_innen berichten, dass T1 und T2 bei ihnen allen Thema sind; sie leiden darunter, dass bereits ein_e von der Gewalt betroffener Mitschüler_in die Schule verlassen musste und die Schulleitung ihnen signalisiert, dass die Gewalt geduldet wird und die Betroffenen bei Widerspruch selber zum Problem erklärt werden; Schüler_innen melden einen weiteren Einsatz von Reizgas in einer Toilette durch T1 oder T2

Ende November: Der Schulsozialarbeiter wird durch den Arbeitgeber Perspektiv e.V. an eine andere Schule versetzt; kurz darauf wird er aufgrund der andauernden Belastung an der Gemeinschaftsschule am großen Herrenberge längerfristig krankgeschrieben

Schuljahr 2017, 2. Halbjahr

März: Schüler_innen melden privat, dass T1 Neonazimusik im Klassenraum abspielt; später melden sie auch, dass T2 Schüler_innen wegen ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert und einen Elektroschocker in der Schule eingesetzt hat

28.3.: Verhandlung vor dem Amtsgericht Erfurt gegen T1 wegen Erpressung; viele der von Gewalt Betroffenen sind als Zeug_innen geladen; T1 bekommt Arbeitsstunden auferlegt

Anm.: Die Auflistung ist nicht vollständig. Es sind nicht alle Übergriffe und Gewalttaten dokumentiert und von den dokumentierten auf Wunsch von Betroffenen auch nicht alle hier aufgeführt. Einige der benannten Vorkommnisse sind bewusst sehr unkonkret formuliert, da die Betroffenen eine Zuordnung zu ihnen durch die Täter oder andere fürchten. Weiterhin sind viele Gespräche mit Schulleitung, Pädagog_innen uvm. hier nicht gesondert benannt. Mehrere Betroffene der rassistischen Gewalt befinden sich in therapeutischer Behandlung oder anderen speziellen Programmen. Ein_e Schüler_in musste wegen der Gewalt stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. An der Schule gibt es keine Konzepte für den Umgang mit rassistischer Gewalt und für den Schutz der Betroffenen.

Es wurden bereits Mobit, Ezra, der Migrationsbeirat, Flüchtlingsrat und das Jugendamt mit einbezogen.

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